Wappen von Neidenfels Chronik Neidenfels Wappen von Neidenfels



Aus der Geschichte von Neidenfels


Auf der Höhe des Schloßberges grüßt, deutlich sichtbar, die Ruine der ehemaligen Burg Neidenfels den Durchreisenden ebenso wie den Freund des Pfälzerwaldes, der hier Urlaubsfreude und Entspannung sucht. Diese Ruine ist jedoch keineswegs das älteste Zeugnis aus vergangenen Zeiten.

Am nördlichen Ausgang in Richtung Kaiserslautern schiebt sich der Lichtensteiner Kopf ins Tal des Hochspeyerbaches. Auf halber Höhe wurde im 12. Jahrhundert die Burg Lichtenstein erbaut. Es war keine große Burganlage. Auf einem Felssockel erhob sich die hölzerne Oberburg. Es gab keinen Brunnen. Alles, was man brauchte, mußte mühsam bergauf geschleppt werden.

Urkundlich wird das Geschlecht der Lichtensteiner erstmals erwähnt im Jahre 1209. Die Burg dürfte wohl entstanden sein, als die Hohenstaufen (ihr bekanntester war Friedrich Barbarossa, 1152 zum deutschen Kaiser gekrönt) in der Pfalz die Berggipfel mit Burgen krönten. Wahrscheinlich ist die Lichtenstein zu sehen in Verbindung mit den Neustadter Anlagen: Stadt und Tal waren durch die Burgen Winzingen und die Wolfsburg abgeschirmt, die Lichtenstein hatte die Straßensicherung in Richtung Kaiserslautern zu übernehmen.

Als im 13. Jahrhundert das Rittertum seinen Niedergang erlebte, ging dies nicht spurlos an der Lichtenstein vorüber. Um dem Treiben der Lichtensteiner, die sich zu Raubrittern entwickelt hatten, ein Ende zu setzen, kam es 1281 zu einer großen Koalition der beiden sonst feindlichen Parteien, des Rates und des Bischofs von Speyer. Anführer der Truppen, die gegen die Lichtenstein zogen, war einer ihrer Verwandten, ein Johannes von der Kestenburg. Ob es zum Kampfe kam, ist nicht überliefert. Jedenfalls wurde die Burg besetzt, "viel in dem Schloß beschädigt, weder Weib nocht Kind verschont, dasselb mit Feuer angesteckt, alles niedergerissen, die Mauern verbrochen und zu Grund zerstört". Zurück blieb eine öde Stätte. Man muß sich schon gut auskennen, um heute die geringen Überreste noch zu finden.

Blick auf Neidenfels Nicht weit davon entfernt, auf dem Schloßberg, gründete Pfalzgraf und Kurfürst Rudolf II. als Nachfolger mit gleichen Aufgaben die Burg Neidenfels. Sie war wesentlich größer als die Lichtenstein. Ihr Baujahr ist nicht bekannt; erste Erwähnung erfuhr sie im Jahre 1338. Woher kam ihr Name? Philipp Karch legte sich in seiner Ortschronik dahingehend fest, daß die einleuchtendste Erklärung die sei, daß man unter der Neidenfels die Burg zu verstehen habe, die bachabwärts unterhalb der Lichtenstein lag, die Niederburg also im Gegensatz zur höher gelegenen Lichtenstein.

Ihre größte Zeit erlebte sie im 16. Jahrhundert, als der Reiterobrist Peter Beuterich von hier aus mit seinem Herrn Johann Casimir den französischen Hugenotten und Wilhelm von Oranien zu Hilfe eilten. Später lebten Neustadter Vögte aus dem Geschlecht der Steinhuser auf der Burg. An sie erinnert das heutige Wappen der Ortsgemeinde, ein steinernes Haus mit Stufengiebel und Fensteröffnungen. Das Ende der Burg war im Jahre 1689 gekommen. Die Franzosen waren in die Pfalz einmarschiert und sprengten dabei fast alle Burganlagen in die Luft. Forstmeister Franz Glöckle trug später die letzten Reste ab, um an den Abhängen des Schloßberges Terassen zu errichten, auf denen er Wein anpflanzte. Nachdem Burgruine und Schloßberg durch Versteigerung zunächst private Besitzer gefunden hatten, kamen beide in der 2. Hälfte des 19. Jahrhunderts ins Eigentum des bayerischen Staates. Erneut wurde die Burg zur Versteígerung angeboten. Später ertstand der Pfälzische Verschönerungsverein die Ruine. Dann aber kümmerte sich lange Zeit niemand um das historische Zeugnis. Am 18. November 1934 löste sich der Verschönerungsverein im Zuge der Gleichschaltung auf und verfügte, daß die Ruine Neidenfels wie der Turm in Appenthal an die Kreisgemeinde Pfalz fallen solle. Am 23. März 1935 nahm der Gemeinderat Neidenfels die Schenkung der Burg an.

Im August 1953 wurde die Anlage durch eine Sachverständigenkommision besichtigt. Man stellte fest, daß aus Gründen der Sicherheit der Burgfelsen gegen den Halsgraben zu abgestützt werden müsse. Die Gemeinde errichtete, den Anregungen folgend, eine Stützmauer aus Stampfbeton, verkleidet mit Quadermauerwerk. Zugleich nahm man umfangreiche Renovierungsarbeiten vor. Gegenwärtig ist man dabei, die Ruine Neidenfels noch gründlicher zu überholen. Man hat einen Architekten beauftragt, Pläne auszuarbeiten. Im Haushaltsplan der Ortsgemeinde sind Mittel vorgesehen. Wenn finanzielle Zusagen für den Ausbau voliegen, werden wohl demnächst auf Bergeshöhe die Baumaschinen ihr Werk beginnen können.

Um die Burg Neidenfels reihten sich die Anfänge des Dorfes mit gleichem Namen um den Dorfbrunnen und die Linde. 20 Häuschen mögen es gewesen sein, die im Laufe der Geschichte zunächst entstanden waren. Krieg- und Pestzeiten dezimierten die Zahl der Bevölkerung immer wieder. Die Menschen ernährten sich mühsam mit dem, was der Wald ihnen bot. Dies änderte sich erst dann grundlegend, als die Industrie Einzug hielt.

Das Industriezeitalter im Tal hatte begonnen, als im 16. Jahrhundert Wallonen als Flüchtlinge sich im benachbarten Lambrecht ansiedelten und die Tuchfabrikation begannen. Die erste Papiermühle wurde von Johann Friedrich Lorch im Schöntal begründet, dort, wo heute die Firma Hoffmann & Engelmann AG die Tradition weiterführt. In Neidenfels wird seit 1825 Papier fabriziert. Der entscheidende Durchbruch begann jedoch erst 1885. Julius Glatz hatte zusammen mit seinem Schwager vorhandene Anlagen übernommen und die Produktion von Papieren begonnen. Von Anfang an war man sich in der Führungsspitze des Betriebes darüber im klaren, daß man sich nur durch Spezialisierung auf dem Markt würde behaupten können. Feinste und dünnste Papiere sind bis heute Markenartikel aus dem Neidenfelser Betrieb. Eine Papierspinnerei wurde angegliedert, ein Betrieb in Frankeneck hinzuerworben. Sichtbares Zeichen der Verbundenheit beider Fabrikationsorte ist eine Dampfleitung. Sie leitet den im Neidenfelser Kesselhaus erzeugten Heißdampf nach Frankeneck; im letzten Teil führt sie unterirdisch durch den Hausberg. Im Vorjahr, im September 1985, feierte die Firma ihr 100-jähriges Bestehen.

Die ersten Papiermaschinen bezog die Firma Julius Glatz aus einem Betrieb, der sich im 19. Jahrhundert am Ortsausgang in Richtung Lambrecht angesiedelt hatte: Aus der Maschinenfabrik Hemmer. Sie erbaute 1840 die erste der in England entwickelten Papierschüttelmaschinen. Kunden der Maschinenfabrik Hemmer kamen aus aller Welt. Für das kaiserliche Rußland wurde sogar eine Druckmaschine fürs Papiergeld entwickelt. Wirtschaftliche Schwierigkeiten, hauptsächlich ein wochenlanger Streik, dezimierte das Vermögen der Familie. 1903 kam das Aus für den Betrieb. Hemmer gab die Fabrikation in Neidenfels auf und zog nach Ladenburg um. Der Ortsgemeinderat würdigte seine Verdienste um die Gemeinde Neidenfels, indem sie ihn zum Ehrenbürger ernannte.

Eine Erinnerung an Hemmer gibt es noch in Neidenfels: Um den damaligen Prinzregenten und späteren König Ludwig II., der sich zum Besuch angemeldet hatte, standesgemäß unterbringen zu können, wurde neben der Fabrik ein repräsentatives Backsteingebäude errichtet. Die Neidenfelser nannten es die "Alte Villa". Sie steht heute unter Denkmalschutz ebenso wie das Schimpf'sche Haus, 1738 als Fachwerkbau auf dem Langenacker errichtet, 1985 von seinem heutigen Besitzer, der Firma Glatz, renoviert, und die Burg Neidenfels.

Im Jahre 1802 zählte Neidenfels 122 Seelen. Durch die Industriealisierung vermehrte sich die Bevölkerung stark. 1882 waren 500 Neidenfelser registriert, 1919 waren es 716. In den Jahren nach dem zweiten Weltkrieg stieg sie auf nahezu 1400 an. Im Zeichen des allgemeinen Bevölkerungsrückganges im Tal reduzierte sie sich auf rund 1150 im Jahre 1985.

In den letzten 50 Jahren hat sich Neidenfels sehr stark zu seinem Vorteil weiterentwickelt. 1933 erbauten die Protestanten am Abhang des Flurberges ihr schlichtes Kirchlein. Die Katholiken folgten fünf Jahre später. Ihre Nikolauskapelle war der Erweiterung der Firma Glatz zum Opfer gefallen. In der Zwerlenbachstraße entstand ihr neues Gotteshaus. Der wuchtige, in rotem Sandstein gehaltene Bau, erinnert an die ostpreußischen und siebenbürgischen Wehrkirchen. Mehrfach erweitert wurde der Friedhof. 1959 konnte eine neue Schule eingeweiht werden, die in ihrer Konzeption für die damalige Zeit richtungsweisend war, heute allerdings in dieser Form nicht mehr gebaut werden würde. Sie wollte durch ihre Lage oben am Waldrand am Flurberg die Jugend des Ortes aus dem Lärm unten an der Bundesstraße herauslösen.

Einige Male beteiligte sich Neidenfels am Wettbewerb "Unser Dorf soll schöner werden", mit bestem Erfolg: Im November 1966 wurde der Ort im Landeswettbewerb Rheinland-Pfalz als Bezirkssieger mit dem Ehrenpreis in Silber ausgezeichnet. Gewaltig waren die finanziellen Aufwendungen. Neu-Straßen mußten angelegt werden, um Baugelände zu schaffen, Grünanlagen im Ortsbereich wurden geschaffen, Stützmauern in großer Zahl errichtet. In der hinteren Zwerlenbach wurden 1957/58 ein Fußballspielfeld und 1961 ein Leichtathletikgelände angelegt. 1973 kam eine neue Mehrzweckhalle dazu, die der Gemeinde und ihren Bürgern auch als Versammlungsraum bei größeren Veranstaltungen dienen kann. Als letztes großes Bauwerk entstand 1981/82 der neue Bürgerplatz mit dem angrenzenden Bürgerhaus. Das Gelände hatte sich die Gemeinde von der Firma Glatz durch Tausch erworben: Sie gab dafür das bisherige Schulgrundstück neben dem Fabrikgebäude. Das alte Schulhaus fiel dabei der Spitzhacke zum Opfer.

In Neidenfels hat es schon immer ein reges Vereinsleben gegeben. Seit Beginn der siebziger Jahre arbeitet man im Kuratorium der Neidenfelser Vereine zusammen und regelt dabei die Angelegenheiten weitgehend untereinander. Zur Zeit gibt es in Neidenfels folgende Vereine: Männerchor 1886 Neidenfels (er feiert in diesem Jahr sein 100jähriges Bestehen), TSG 1909 Eintracht Neidenfels (entstanden durch Fusion von FC 1925 und ATSV), Pfälzerwald-Verein, Kirchenchor der protestantischen Kirchengemeinde, VdK, Kaninchenzuchtverein, Frauen- und Müttergemeinschaft der katholischen Kirchengemeinde. Außerdem werden zu Sitzungen auch die kirchlichen und politischen Institutionen eingeladen.


                             Helmut Müller




Auszug aus der Festschrift 100 Jahre Männerchor Neidenfels 1886-1986 Geschrieben von Helmut Müller

 
 
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